Vorgestellt: Fate

Kommen wir endlich zu meinem Lieblingssystem – Fate bzw. TurboFate. Ein Universalrollenspielsystem, wie es dutzende gibt, das stärken und schwächen der Charaktere forciert, wie es viele andere Systeme auch tun, das leicht verständliche Regeln hat, wie…. Ok so kommen wir nicht weiter. Fate scheint das Rad nicht neu erfunden zu haben, aber warum hat es so einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen? Dieser Frage gehe ich in den folgenden Zeilen auf den Grund und liefere Zeitgleich einen Überblick über die deutsch Produktpalette von Fate.

Was (genau) ist Fate

Fate ist ein erzählerisches Universalrollenspiel-System, das Spielern mehr Einfluss auf ihre Geschichte gibt, fähige Protagonisten mit Tiefgang und Kanten generiert und durch einfache Regeln allen zugänglich ist. Letztlich könnte man (stark vereinfacht) auch sagen, dass Fate durch Aspekte und Fate-Punkte so besonders ist.

Als Aspekte werden alle Spielrelevanten Merkmale bzw. besondere Eigenschaften bezeichnet. Ein Charakter könnte z.B. den Aspekt Schwertkämpferin der Katzenmenschen haben. Dieser Charakteraspekt legt nicht nur fest was der Charakter kann, er ist auch wahr und somit spielt man in einer Welt, in der es Katzenmenschen gibt. Auch Konsequenzen wie ein verstauchter Knöchel, Schnittwunde u.ä. werden als Aspekte festgelegt. Aspekte betreffen aber viel mehr als nur den Charakter, von einer Situation (mysteriöser Nebel, brennendes Haus,…) bis hin zur ganzen Spielwelt (London im 17Jh., postapokalyptische Zombieepidemie,..).

Darüber hinaus gibt es eine Meta-Währung, die sogenannten Fate-Punkte. Wird ein Aspekt gereizt, d.h. gegen einen Spieler verwendet, so bekommt man einen – möchte man einen Aspekt zu seinem Vorteil einsetzen, gibt man einen Punkt aus.

Die Kombination aus Aspekten und Fate-Punkten ermöglicht es Charakteren neue Aspekte zu erschaffen (Vorteil erschffaen) und erlaubt dem Spieler sogar Details nach eigenen wünschen in der Spielwelt einzuführen. – Dieser Freiheitsgrad und Einfluss machte jedes Abenteuer stets zu meiner Quest, insbesondere da Fate-SL in der Regel auch Situationsbeschreibungen an die Spieler abgibt. Die Gruppe erschafft ein ganz persönliche Geschichte.

Das/die Grundregelwerk(e)

Es gibt zwei grundlegend verschiedene Varianten von Fate; die (inkl. Beispiele und Illustrationen beinhaltende) 72seitige TurboFate-Version und das ausführlichere 312seitige FateCore Regelwerk. Im ersten Fall gibt es gerade einmal 6 Methoden, die beschreiben wie ein Charakter handelt, im zweiten Fall gibt es knapp 20 Fertigkeiten, ein ausführlicheren Teil zum Spielleiten und Welten erschaffen, differenzierte Konsequenzen,… aber die Basis bleibt die gleiche.

Beide Varianten stehen zum kostenlosen Download oder als gedruckte Exemplare bereit. Ein weiterer starker Pluspunkt für Fate! Für einen einfachen und unkomplizierten Einstieg kann sich jeder das Regelwerk kostenlos runterladen und ausprobieren.

Team Rot (TurboFate) vs. Team Blau (FateCore)

Ergänzende Regelwerke – Handbücher und Kodex

Neben den beiden Regelwerken gibt es noch die sogenannten Fate Handbücher. Hierzu schreibt der Verlag recht treffend: „Die Fate-Handbücher (orig. Fate System Toolkit) sind keine klassisches Regelwerke oder Quellenbücher, sondern eher eine Art Werkzeugkoffer für Fate, eine Regelergänzung für verschiedenste Mechanismen rund um Fate Core“ Das allgemeine Handbuch gibt es ebenfalls als kostenlosen Download, die deutschen Übersetzungen zu Horror und Antagonisten sind kostenpflichtig. Weitere Regelergänzungen bietet auch der FateCodex, eine Sammlung von Essays rund um Fate. Von sehr sinnvollen Regelergänzungen bis hin zu Settingvorschlägen enthält der Kodex alles was das Spielleiterherz begehrt.

Settingbänder

Wenn ich bis hierher noch kein Fate-Fan wäre, würden mir die Settings von Fate den Rest geben. Ich habe noch nie so viel liebenswert ausgearbeitete Setting- und Abenteuerideen, Hintergrundwelten und NSCs erlebt wie in Fate. Ob wir nun als Katzen unsere menschlichen Bürden beschützen, den Müllplaneten Deponia betreten, eine mangahafte Doppelseele beherbergen oder die Welt unserer Kindheit betreten und retten – all diese Settings bieten so viel Fantasie und Vielfalt, das für nahezu jeden etwas dabei ist. Auch für die Fans klassischer Settings ist genug dabei, sei es nun ein klassisches Sword&Sorcery Abenteuer á la Conan, ein (mit dem deutschen Rollenspielpreis 2019 ausgezeichnetes) dark-phantasie Setting, Intrigen im alten Rom oder ein phantastisches Steampunk-Setting im vereisten Europa. – Hier ist wirklich für jeden was dabei.

Ach so, Superhelden und Wuxia gibt es natürlich auch. Und das sind nur die deutschen Übersetzungen.

Der Umfang der einzelnen Settingbände kann dabei stark variieren. Die Grundlage bilden die sogenannten Abenteuerwelten, welche sich in zwei Sätzen zusammen fassen lassen: „Die Fate-Abenteuerwelten-Reihe liefert kompakte, reichhaltige, bezahlbare, wunderschöne Spielwelten, mit spielbaren Abenteuern für SL, die es eilig haben. Kaufe dir eines heute Nachmittag, dann kannst du es heute Abend leiten!“ Diese Zusammenfassung kann ich 100% bestätigen. – Einige englische Originale werden um Zusatzmaterial ergänzt, welches bei der Übersetzung mit eingebunden wird. Hierdurch steigt der Umfang ohne die obige Konzeption ad absurdum zu führen. Beispiele hierfür wären Die geheime Welt der Katzen und TianXia. Darüber hinaus gibt es Settingbände (plural) die eine größere, komplexere Welt beschreiben und sich durchaus von den Abenteuerwelten unterscheiden. Das bei einem anderen Verlag (Redaktion Phantastik) erschienene Setting Seelenfänger im A4-Format stellt bereits einen deutlichen Kontrast zu den sonstigen Fate-Produkten dar. Als komplexere Welten kann man sicherlich das Eis und Dampf-Setting mit drei RPG-Büchern, fünf Kurzgeschichten-Sammlungen und zwei Romanen ansehen. Rollenspieltechnisch ist Malmsturm mit drei Hardcover-Bänden und über 1000 Seiten das genaue Gegenteil zu den Abenteuerwelten.

Ob Soft- oder Hardcover, B5 oder B4,.. die Settingbänder unterscheiden sich deutlich.

Fazit

Ob es nun die einfachen Regeln sind, der schnelle, unkomplizierte Einstieg in das System ist, der Einfluss auf das Spielgeschehen, die liebevollen Settings und Spielwelten oder das Zusatzmaterial ist – es ist das Gesamtpaket, das mich vom erst Moment gepackt hat und dessen Zauber mich bis heute nicht losgelassen hat.

Der Fairness halber muss man dazu sagen, dass sich die Geister an dem erzählerische Ansatz scheiden. Für langjärige Spieler von D&D, DSA u.a. System ist die Umstellung manchmal schwer und einige Regeln zu stark vereinfacht. Für Neueinsteiger und Gelegenheitsspieler ist es hingegen oft ein beliebtes System.

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