Online PnP – ein erstes Fazit

Auch wenn ich bisher ein großer Verfechter des gemeinsamen Spielens am Tisch war, muss man derzeit (aus gegebenem Anlass) aber eben auch mal Alternativen ausprobieren. Aber wie spielt es sich denn nun? Kann man wirklich sagen, dass das Ambiente am Tisch besser ist und man sich dafür Online öfter trifft? Wo genau liegen (meiner Meinung nach) die Vor- und Nachteile? Darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Die Ausgangslage

Vielleicht zuerst noch einmal ein paar Worte zur Grundlage dieses Beitrags: Ich spiele seit Jahren sehr gerne Tisch mit anderen und möchte dieses Gefühl auch nicht mehr missen. Die netten Gespräche, der Aufbau von Karten/Miniaturen o.ä., das Gefühl echter Würfel und alles in passender Atmosphäre. Das warn für mich immer gute Gründe, warum ich eben nicht online nach Runden gesucht habe. Durch die jetzigen Umstände und eine kurze Recherche bin ich aber schnell auf ein paar sehr nützliche Programme aufmerksam geworden und habe meine ersten Erfahrungen mit Roll20 und Teamspeak gemacht. Zunächst mit narrativen Systemen wie City of Mist, Fate und den Erzählregeln von Die schwarze Katze, erweitere meine Repertoire aber immer mehr und bereite gerade Cthulhu und Savage Worlds vor. Dabei kann ich mit zunehmender Praxis natürlich auch immer komplexere Umstände berücksichtigen. – Das wäre erstmal der momentane Status, aufgrund dessen ich mir nun Anmaße bescheid zu wissen. ^^

Die Richtige Atmosphäre

Ein, wenn nicht sogar das Argument, für das Spielen an einem Tisch ist die besondere Atmosphäre des Spiels. Auf dem Tisch befinden sich alle nötigen Utensilien, ggf. schaut man auf eine ansprechende Szenerie aus Miniaturen und Gelände, oder man lauscht einem Spielleiter, der hinter einem Schirm mit stimmungsvollen Bildern seine Notizen bereithält – wie soll das ein Monitor schaffen? Eigentlich genau so. Nach dem einloggen findet man sich auf einem digitalen Spieltisch wieder, der auch mit passenden Bildern, Karten und anderen Materialien gefüllt ist. Außerdem kann man, z.T. sogar schneller und eleganter, zusätzliche Handouts u.ä. rausgeben und so zur Immersion beitragen. Da der ganze Fokus auch nur auf dem digitalen Endgerät liegt, braucht es weniger zusätzlichen Input und man ist kurz nach dem einloggen direkt drin.

Ich denke aber, man muss zugestehen, dass die Grenzen zwischen analog und digital ziemlich fließend sind. Ob man als Spielleiter Bilder online oder als haptisches Exponat darbietet, ob man (auch offline) stimmige Musik auswählt, ob man analoge Karten stückweise aufdeckt oder den fog of war nutzt ist kaum ein großer Unterschied. Auch bei den Ablenkungen tun sich die beiden Formen nicht viel. Wer sich gerne ablenken lässt, quatscht oder auf sein Handy guckt, wird am PC oder Tablet wahrscheinlich auch geneigt sein, gerade in Phasen wo man nicht im Mittelpunkt steht, in einem neuen Tab zu surfen.

Ein größerer Pluspunkt für das spielen am Tisch wären noch die echten Emotionen, die man über ein Headset schlecht einfangen kann. Auf der anderen Seite bietet auch gerade dieses Headset (und die Anonymität in Fremden Runden) eine gewisse Sicherheit, so dass der Eine oder die Andere sicherlich auch beim Ausspielen ihrer Charaktere mehr aus sich rausgehen können.

Roll20 und Teamspeak, eine gute Kombination für’s Online-PnP.

Der Zeitfaktor

Die Zeit ist hingegen eines der ersten Argumente, die für das Online-Spielen genannt werden. Es ist schlicht und einfach die beste Variante um sich mit Leuten quer durchs Land (und darüber hinaus) mal eben von 19:30 bis 23Uhr zu verabreden und zu spielen. Das kann man selbst neben Arbeit und Kindern mal in der Woche schaffen, wohingegen sich unsre Tischrunde gerade mal einmal pro Monat für einen Tag trifft… Aber, und das muss man auch deutlich sagen, wenn wir uns treffen ersetzt das vom (zeitlichen) Umfang 2-3 Online-Termine. Außerdem hat es doch einen anderen Flair, da man es insgesamt ritualisierter angeht, d.h. man ist eher drauf eingestimmt und fokussiert, weil man sich auch den Rest des Tages nur PnP vorgenommen hat. Bei Online-Runden kann man sich direkt an den PC setzten (an dem man vorher noch Homeoffice gemacht hat) und so ggf. den ganzen Stress des Tages mitbringen, ist also vom Kopf nicht so sehr bei der Sache.

Bei der Vorbereitungszeit tuen sich die beiden Varianten wohl nicht viel. Gerade bei einem Kauf-Abenteuer mit Materialien, wie z.B. bei Cthulhu, macht es keinen großen Unterschied, ob man diese Ausdruckt, oder hochlädt und Charaktere muss man auch so oder so erstellen. Einzig bei ausgefalleneren Systemen bzw. Mechaniken, wie z.B. das Abenteuerdeck von Savage Worlds, kommt noch etwas mehr Aufwand hinzu. Dieser kann später allerdings auch immer wieder Importiert werden. Aufwändiges Gelände oder echte Rätsel(-boxen) u.a. erzeugen unter Umständen eine ganz andere Atmosphäre, brauchen aber auch mehr Zeit bei der Vorbereitung.

Sonstiges

Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten die ich zumindest noch kurz anreißen möchte: Ein Punkt wäre z.B. der finanzielle Aspekt. Natürlich braucht man ein digitales Endgerät (gut, das haben wohl alle) und ein gutes Headset, insbesondere letzteres kann durchaus ein paar Euros kosten. Da es beim Online-Spielen durchaus von Vorteil ist, sich Regelwerke und Abenteuer als pdfs zuzulegen, damit man Bilder direkt importieren kann, hat man hier aber auch wieder die Möglichkeit Geld zu sparen.

Als letzten Punkt könnte man sich noch über die Zugänglichkeit – insbesondere für Anfänger – Gedanken machen. Auf der einen Seite kann man am Tisch und im persönlichen Gespräch einige Sachen ggf. besser erklären (gerade da nicht noch eine weitere technische Unsicherheit hinzu kommt), auf der anderen Seite hat man in Online-Runden oft deutlich mehr Auswahl an Systemen und wird auch hier gut abgeholt und eingeführt.

Fazit

Letztlich wird klar, dass im Wesentlichen die äußeren Umstände (insbesondere zeitliche Einschränkungen) und der persönliche Geschmack über eine Tisch- bzw. Online-Runde entscheiden. Mein Rat, probiert beides aus und vielleicht kann auch beides parallel nebeneinander gut bestehen. Ich finde die Auswahlmöglichkeit – insbesondere für OneShots – im Online-Bereich großartig und möchte sie nicht mehr missen. Trotzdem bleibt Rollenspiel für mich auch immer ein gemeinsames und soziales Event, auf das ich mich auch mal einen ganzen Tag einlassen möchte.

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