Online PnP – ein Fazit nach etwas mehr Praxis

Zu Beginn des Monats habe ich an der Blog-O-Quest teilgenommen und meine derzeitigen Erfahrungen mit Online-Runden beschrieben. Nach einem Monat mit vielen Runden und somit auch mehr Erfahrung möchte ich nun noch einmal ein weiteres Fazit geben, dass etwas reflektierter ausfallen dürfte. – Zuvor möchte ich aber noch einmal klar stellen, das ich eher der Tischrollenspieler bin und alles auf meinen subjektiven Eindrücken beruht.

Die (reinen) Vorteile

Der große Vorteil an Online-Runden ist sicherlich das Angebot. Im realen Leben ist es (abgesehen von ein paar Conventions vielleicht) kaum möglich ein solches Angebot von unterschiedlichen Systemen zu finden. Ich konnte in diesem Monat mein Lieblingssystem Fate ausführlich bespielen, wollte auch mal ein neues Setting ausprobieren und habe direkt eine Runde gefunden. Da selbst Indie-Systeme vertreten sind und es auch viele Angebote für Neulinge gibt, ist das für mich der größte Vorteil.

Durch die technische Umsetzung, sprich Teamspeak als Kommunikationsplattform, ist die Disziplin größer und der Redeanteil von off-topic Gesprächen deutlich geringer als am Tisch. Gerade push-to-talk filtert sehr gut unqualifizierte Zwischenrufe – ich spreche da aus eigener Erfahrung. ^^ – Viele andere positive Aspekte haben aber, je nach Konstellation und persönlicher Vorlieben, leider auch den ein oder anderen Haken.

Seit Corona sind es knapp 70 Stunden Spielzeit bei roll20 geworden. 😀

Ein (klares) Unentschieden

Vieles, dass ich in meinem ersten Fazit noch zu den positiven Dingen gezählt habe, hat sich mittlerweile doch etwas relativiert. Die Anzahl der Runden ist ein gutes Beispiel: Es werden sehr viele Systeme und Runden angeboten und man kann, durch den geringen Aufwand (PC hochfahren) regelmäßiger spielen. Leider führt diese Situation auch zu häufigeren Absagen im Vergleich zu einer Tischrunde. Frei nach dem Motto „Dann halt nächstes mal“. Das war bei mir noch nicht so schlimm und vielleicht liegt es einfach an dem größeren Umgang an Runden, dass auch mehr Absagen bei rumkommen. – Eine Tischrunde ist für mich aber ein größeres Event und findet weniger Absagen. Das könnte auch daran liegen, das man mehr Aufwand betreibt und diese Runden nicht so oft stattfinden, aber aufgefallen ist es mir auf jeden Fall.

Ich hatte sehr viele spannende Runden und bin auch von den Möglichkeiten von roll20 begeistert, eine spannende Atmosphäre zu erzeugen. Da man aber nahezu jeden Abend spielen kann, steigt auch das Risiko, dass man manchmal nicht in der richtigen Stimmung ist. Wenn man nach einem stressigen Tag bis kurz vor Spielbeginn arbeiten muss, fällt es manchmal schwer direkt in die Welt einzutauchen. Auch die Gefahr der Ablenkung scheint mir in solchen Zeiten größer als am Spieltisch zu sein. Das liegt zumindest bei mir daran, dass eine Tischrunde ein ganztägiges Event ist für das man sich die entsprechende Zeit nimmt. Man ist schon vorher entsprechend eingestimmt und (durch eine bessere optische Kontrolle) nicht so oft abgelenkt.

Es kam zwar selten vor, aber aufgrund der vielen möglichen Runden kann man natürlich auch an eine unpassende Konstellation erwischen. Damit meine ich entweder einen SL der andere Schwerpunkte/Akzente setzt, als man gerne spielt, oder eine Gruppe, die einen anderen Fokus legen. Wünscht sich die eine Seite eine gute Geschichte, die andere eher einen kampflastigen Dungeoncrwaler, reißen sich ein paar Spieler das ganzen Spotlight sich,… dann läuft etwas schief. Natürlich muss sich so etwas nicht immer widersprechen, aber es hat das Potenzial. Natürlich gehören immer mindestens zwei dazu, aber zumindest mir fällt (was das angeht) die Kommunikation in diesem Bereich am Spieltisch deutlich leichter. Gerade wenn der Rest der Runde damit auch kein Problem zu haben scheint möchte man auch kein Spielverderber sein. Es ist aber eben unbefriedigend, wenn man sich nach 45 Minuten denken „toll, noch mindestens zwei Stunden…“.

Als letztes ist mir noch der Zeitfaktor als relativer Vorteil aufgefallen. Wie gesagt kann man oft und regelmäßig spielen, da man „mal eben“ von 19-23/20-24Uhr spielen kann. Gerade bei OneShots und einer neuen Runde fehlte am Ende öfter mal die Zeit, um die Geschichte passend abzuschließen. Auch bei einem selbst geleiteten FewShot haben wir drei Sitzungen gebraucht, was am Tisch nur ein Tag wäre. Der zeitliche Vorteil ist also zu relativieren, auch wenn ich jetzt schon mehr Runden gespielt, als im ganzen letzten Jahr.^^

Die Nachteil

Wirklich große Nachteile habe habe ich während der Runden kaum feststellen können. Lediglich der Ausfall der Technik, d.h. vom Server gekickt, Mikro funktioniert nicht (mehr),… war manchmal lästig. Aber so etwas kann mal passieren.

Fazit

Online-Runden bleiben, gerade bei der aktuellen Lage, eine tolle Ergänzung und bieten einige Möglichkeiten die ich bei Tischrunden vermisse. Da die Menge von Runden deutlich größer ist steigt natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, das es auch mal eine weniger überzeugende Runde dabei ist. Gerade hier hemmt mich zumindest die Kommunikation um das richtig anzusprechen. Ansonsten möchte ich die digitalen Runden aber nicht mehr missen, da ich auch viele sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

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